Reiseberichte aus dem Sanella-Album Mittel- und Südamerika

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Niemand konnte sich erklären, wie das zuging. Der Krater mußte sie ausgespuckt haben. Inzwischen hat man aber, wie uns in Quito erzählt wurde, des Rätsels Lösung gefunden. Sie ist seltsam genug. Der Gipfel des Berges ist von Eisschichten bedeckt. An deren unterem Ende entspringen viele fischreiche Bäche. Wenn nun die Flammen aus dem Krater schlugen, schmolzen in der Gluthitze Eis und Schnee an den Hängen. Die Bäche wurden zu verschlammten, reißenden Strömen, in denen Fische scharenweise umkamen. Wenn die Wasser sich in den Tälern wieder verlaufen hatten, fanden die erstaunten Indios zahlreiche tote Fische.

Steinmännchen und Kreuze am Weg

Wir haben auf einem Paß, hoch oben im rauhen Gebirge, etwas Seltsames gesehen. Dort haben vorüberwandernde Indios Figuren, sogenannte Steinmännchen, errichtet.

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Jeder, der vorbeikommt, legt einen kleinen Stein hinzu. Das muß eine uralte Sitte sein, die zu dem indianischen Götterglauben gehört. - Etwas weiter des Weges, und im Lehm stecken kleine Kreuze die wohl einem katholischen Heiligen geweiht sind. Der Indio bringt beiden Göttern eine Gabe dar. Er weiß vielleicht nicht mehr recht, welcher der stärkere und mächtigere ist, und möchte beide sich gnädig stimmen. -

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Abschied von Ekuador

Wir haben soeben den Äquator überschritten. Vor uns liegt die Grenze von Kolumbien. Das letzte südamerikanische Land ruft. Fernandez und Onkel Tom haben dort noch mehrere geschäftliche Aufträge zu erledigen. Mir ist es recht. Gerade Kolumbien soll sehr interessant sein. Dein Freund Pünneberg wird getreulich berichten - trotz der Hitze.

"Der liebe Gott ist Kolumbianer"

Weißt Du was, Jupp, Du solltest mal die Karte von Südamerika nehmen und sie genau auf ein Blatt Papier abpausen. Willst Du? - Dann nimm einen Rotstift und zeichne unsere Reiseroute ein: von Mexiko bis - ja, bis Kolumbien. Sieh Dir den Maßstab der Karte an und miß die ungefähre Kilometerzahl! Du, ich glaube, da kommt eine Strecke zusammen, die sich sehen lassen kann. Versuch es mal! Natürlich denkst Du jetzt: Aha, Freund Pünneberg will renommieren. Er gibt ohnehin schon reichlich mit seinen Erlebnissen an. Aber Jupp, glaub mir: das Merkwürdigste ist, daß man hier immer wieder etwas Neues erlebt. Da ist kein Urwald wie der andere. Selbst die winzigen Kolibris, von denen es zahllose Arten gibt, sehen überall anders aus. Wie mit den Kolibris, so ist's mit den Menschen. Und erst das Gebirge - da kann man nur immer von neuem staunen. - Wir sind in Chile, Bolivien, Peru, Ekuador gewesen - was sollte da Kolumbien noch Neues bieten? Aber höre und staune! Zuvor muß ich Dir gestehen, daß mir ein bißchen wehmütig - ums Herz ist: das letzte Land auf unserer Reise! Bald wird sich der Ring Schließen, und wir sind wider am Panamakanal.

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